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By Konrad Lorenz

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Unbegreifliche Realität

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Aber die Evolution des Argusfasans hat sich nun einmal in die Sackgasse verrannt, die darin besteht, daß die Männer in bezug auf möglichst große Armschwingen miteinander konkurrieren, mit anderen Worten, die Tiere dieser Art werden niemals die vernünftige Lösung finden und »beschließen«, diesen Unsinn hinfort sein zu lassen. Wir stoßen hier zum ersten Mal auf ein stammesgeschichtliches Geschehen, das uns befremdlich und bei tieferem Nachdenken geradezu unheimlich anmutet. Zwar ist uns der Gedanke vertraut, daß die Methode des blinden Versuchs und Irrtums, die von den großen Konstrukteuren angewandt wird, notwendigerweise manchmal zu Bauplänen führt, die nicht gerade die zweckmäßigsten sind.

Das Territorium, das ein Tier zu besitzen scheint, ist also nur die Funktion einer ortsabhängigen Verschiedenheit der Angriffslust, bedingt durch verschiedene ortsgebundene Faktoren, die sie hemmen. Bei Annäherung an den Gebietsmittelpunkt wächst der Aggressionsdrang im geometrischen Verhältnis zur Entfernungsabnahme. Dieser Anstieg ist so groß, daß er alle zwischen erwachsenen geschlechtsreifen Tieren einer Art je vorkommenden Unterschiede der Größe und Stärke ausgleicht. Kennt man also bei territorialen Lebewesen, etwa bei Gartenrotschwänzen vor dem Hause oder bei Stichlingen im Aquarium, die Gebiets-Mittelpunkte von zwei eben in Streit geratenen Revierbesitzern, so kann man aus dem Ort des Zusammentreffens mit Sicherheit voraussagen, wer siegen wird, nämlich ceteris paribus derjenige, der im Augenblick seinem Heim näher ist.

Wir wollen also für den Augenblick vergessen, daß der Aggressionstrieb unter den Lebensbedingungen der Zivilisation sehr gründlich »aus dem Gleise geraten« ist, und uns möglichst unbefangen der Erforschung seiner natürlichen Ursachen zuwenden. Als gute Darwinisten und aus bereits ausführlich dargestellten guten Gründen fragen wir 44 zunächst nach der arterhaltenden Leistung, die das Kämpfen gegen Artgenossen unter natürlichen, oder besser gesagt vorkulturellen, Bedingungen vollbringt und die jenen Selektionsdruck ausgeübt hat, dem es seine hohe Entwicklung bei so vielen höheren Lebewesen verdankt.

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