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By DENIS ; JEGO, YVES LEPEE

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Der Kardinal hatte sich etwas aufgerichtet. Daran gewöhnt, die geheimsten Gedanken seines Gegenübers ergründen zu können, sah er den König von Frankreich durchdringend an, der vor seinem Krankenlager stehen geblieben war. Im selben Augenblick wurde neben dem Bett des Kardinals behutsam ein Wandteppich gehoben, und Anna von Österreich kam herein. »Mein Sohn, ich freue mich, Euch zu sehen«, sagte sie und deutete eine Verbeugung an. »Mutter! « 43 Überrascht blickte Ludwig XIV. die Königinmutter an, die ein schlichtes schwarzes Kleid und ein schimmerndes Perlenhalsband trug, das sich deutlich von ihrem blassen Teint abhob.

Es kam ihm so vor, als stünde er noch immer dort, an jenem Tag vor 41 dem Tod seines Vaters, als er aus Paris fliehen musste. Er hatte panische Angst gehabt und sich erst beruhigt, als er die Hand des Kardinals spürte. Auf der ganzen Fahrt nach Saint-Germain hatte er sich verzweifelt daran geklammert und sie nicht mehr losgelassen. Ludwig XIV. schüttelte den Kopf, um die düsteren Gedanken zu verscheuchen. Obwohl der Tag sich bereits neigte, war das Zimmer nur schwach beleuchtet. Sie waren allein.

Das Zimmer lag im Halbdunkel. Die Schritte näherten sich rasch, und dann wurde die zweiflügelige Tür weit aufgestoßen. Das Licht blendete ihn. Er blinzelte und hielt eine Hand schützend vor seine Augen. »Halt! « Er verstummte, als er die ins Licht getauchte Gestalt erkannte, die in sein Schlafgemach getreten war. Der Kardinal 38 lächelte und bemühte sich,das heftige Schlagen seines Herzens wieder unter Kontrolle zu bekommen. »Welch ein Auftritt, Madame«, bemerkte er, als er der Königinmutter, die ans Kopfende seines Bettes getreten war, die Hand reichte.

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